Die Organisation ResponsibleGlass hat den ersten Entwurf des Internationalen Standards für die Glasherstellung veröffentlicht. Darüber informiert die Organisation auf ihrer Website. Dies ist der erste Schritt hin zur Einführung eines globalen Standards sowie eines Zertifizierungs- und Kennzeichnungssystems für die Glasindustrie.
Der Standardentwurf befindet sich derzeit in der öffentlichen Konsultation. Diese dauert 60 Tage – vom 20. Juli bis zum 18. September 2026. Unternehmen, Lieferanten, Kunden, Behörden, zivilgesellschaftliche Organisationen und weitere Interessengruppen können Stellungnahmen und Vorschläge einreichen.
ResponsibleGlass ist eine gemeinnützige Organisation. Sie wurde 2025 gegründet, um den Beitrag der Glasindustrie zur nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft zu stärken. Die Initiative vereint Glashersteller, Rohstofflieferanten, Recyclingunternehmen, Marken, Nachhaltigkeitsexperten und zivilgesellschaftliche Organisationen. Derzeit stammt die überwiegende Mehrheit der Mitglieder der Organisation aus dem Vereinigten Königreich.
Glas wird im Bauwesen, in Fahrzeugen, für Lebensmittelverpackungen, Solarmodule und zahlreiche weitere Technologien eingesetzt. Gleichzeitig verursacht die Glasherstellung weltweit jährlich rund 95 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen. Im Gegensatz zur Stahl- und Forstwirtschaft verfügte die Glasindustrie bislang über keinen einheitlichen internationalen Nachhaltigkeitsstandard. Genau diese Lücke soll ResponsibleGlass schliessen.
Der ResponsibleGlass-Standardentwurf schafft ein klares und unabhängig überprüfbares System für eine verantwortungsvolle Glasherstellung. Er umfasst die gesamte Lieferkette – von der Rohstoffgewinnung und Energieversorgung über die Glasproduktion und Produktgestaltung bis hin zum Recycling. Glashersteller, die eine ResponsibleGlass-Zertifizierung anstreben, werden nach diesen Vorgaben einer unabhängigen Bewertung unterzogen. Bewertet werden Unternehmensführung, verantwortungsvolle Rohstoffbeschaffung, Umweltauswirkungen, Arbeitsbedingungen, Auswirkungen auf lokale Gemeinschaften sowie die Kreislauffähigkeit.
Der Standardentwurf besteht aus sechs Bereichen:
Managementsysteme. Unternehmen müssen über Richtlinien und Berichtssysteme verfügen, die eine wirksame Steuerung ihrer Nachhaltigkeitsleistung ermöglichen.
Verantwortungsvolle Geschäftspraktiken. Dazu gehören die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, Massnahmen zur Korruptionsbekämpfung, der Dialog mit Interessengruppen, Transparenz sowie die öffentliche Berichterstattung über Nachhaltigkeitskennzahlen.
Verantwortungsvolle Rohstoffbeschaffung. Unternehmen müssen die Umwelt- und Sozialauswirkungen der wichtigsten Rohstoffe, Sekundärrohstoffe und Energiequellen verstehen und bewerten, die sie für die Glasherstellung einsetzen. Der Standard verbessert zudem die Transparenz der Lieferkette – von Quarzsand und Soda bis hin zu Altglas und Energieressourcen.
Umweltleistung. Dieser Abschnitt umfasst Treibhausgasemissionen, Energieverbrauch, Wassermanagement, Biodiversität, Abfallmanagement, Luftemissionen und Umweltverschmutzung. Unternehmen müssen ihre Leistungen anhand zentraler Nachhaltigkeitskriterien messen, überwachen und offenlegen.
Menschen und Gemeinschaften. Dieser Abschnitt behandelt Arbeits- und Gesundheitsschutz, Arbeitsrechte, Menschenrechte sowie den Dialog mit lokalen Gemeinschaften, die von der Glasherstellung betroffen sind.
Kreislaufwirtschaft und nachhaltiges Produktdesign. Dieser Abschnitt fördert den verstärkten Einsatz von Sekundärrohstoffen, bessere Recycling- und Verwertungsquoten sowie die Entwicklung von Glasprodukten mit geringeren Umweltauswirkungen – sowohl während der Nutzung als auch nach dem Ende ihrer Lebensdauer.
Der Standard enthält zudem einheitliche Regeln für die Messung und Berichterstattung von Nachhaltigkeitskennzahlen. Glashersteller werden einheitliche Definitionen und Berichterstattungsmethoden für CO₂-Emissionen, den Anteil an Sekundärrohstoffen und die verantwortungsvolle Beschaffung anwenden. Dadurch können Kunden und andere Interessengruppen die Leistungen verschiedener Unternehmen der Branche miteinander vergleichen. Diese Anforderungen bilden die Grundlage für ein Zertifizierungs- und Kennzeichnungssystem für verantwortungsvoll hergestelltes Glas.
Nach Angaben der Organisation spielt die Konsultationsphase eine entscheidende Rolle, damit die endgültige Fassung des Standards die Ansichten der gesamten Branche berücksichtigt. ResponsibleGlass sammelt Rückmeldungen von Unternehmen, Kunden, Recyclingunternehmen, Behörden, zivilgesellschaftlichen Organisationen und weiteren Interessengruppen, bevor der Standard verabschiedet wird.
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