Deutsche Verbände fordern eine grundlegende Überarbeitung der vorliegenden Fassung der Bauproduktenverordnung (EU) 2024/3110

Daryna Tschaban 28 августа 2026 г. в 07:14

14 deutsche Verbände und Institutionen aus der Bau- und Fensterbranche haben Bundesbauministerin Verena Hubertz aufgefordert, den aktuellen Entwurf des Normungsauftrags der Europäischen Kommission im September nicht zu unterstützen. Die Branchenorganisationen fordern eine grundlegende Überarbeitung des Dokuments, bevor es zur Grundlage für europäische Normen für Bauprodukte wird. Dies geht aus einem gemeinsamen Schreiben der Verbände hervor, über das der Verband Fenster + Fassade (VFF) am 13. August 2026 berichtete.

Der Normungsauftrag wird festlegen, welche Merkmale und Nachweise Hersteller für Bauprodukte im Rahmen der neuen Verordnung (EU) 2024/3110 bereitstellen müssen. Nach Angaben des VFF sieht der aktuelle Entwurf für Fenster und Türen deutlich mehr technische Daten, zusätzliche Prüfungen, Angaben zu Stoffen und Umweltauswirkungen sowie eine neue digitale Dokumentation vor.

Die Verbände weisen auf die Besonderheiten von Fenstern und Türen hin. Die Hersteller fertigen diese überwiegend nach individuellen Vorgaben. Eine Änderung von Größe, Verglasung, Rahmen, Beschlägen oder Ausstattung führt zu einer neuen Produktvariante. Die Anforderung, für jede Variante einen umfangreichen Dokumentationssatz zu erstellen, erhöht daher den Arbeitsaufwand erheblich. Nach Einschätzung der Branche könnte die Dokumentation für die Fenster eines Einfamilienhauses von wenigen Seiten auf einen vollständigen Aktenordner anwachsen.

Zusätzliches Verwaltungspersonal, externe Prüfungen, neue IT-Systeme und die kontinuierliche Pflege großer Datenmengen werden zusätzliche Kosten verursachen. Nach einer brancheninternen Einschätzung könnten sich Produkte je nach Komplexität, Variantenvielfalt und Unternehmensstruktur um bis zu 15 % verteuern. Die Verbände gehen davon aus, dass diese Kosten letztlich von Bauherren, Investoren, Käufern und Mietern getragen werden.

„Wer Bürokratie abbauen, den Wohnungsbau beleben und die Sanierung beschleunigen will, darf keine neuen Aktenberge schaffen. Die Auftraggeber bekommen mehr Papier, aber kein besseres Fenster – und für die entstehenden Kosten müssen sie trotzdem aufkommen. Deshalb braucht es jetzt ein deutsches ‚Nein‘ und anschließend einen praxistauglichen Ansatz“, erklärte Frank Lange, Geschäftsführer des Verbandes Fenster + Fassade.

In ihrem gemeinsamen Schreiben schlagen die Verbände vor, nur solche Produktdaten zu verlangen, die tatsächlich erforderlich sind. Sie fordern außerdem, bewährte Berechnungs- und softwaregestützte Verfahren anstelle wiederholter kostspieliger externer Prüfungen beizubehalten und Angaben zu Stoffen und Emissionen nicht doppelt zu erfassen. Bei auftragsbezogenen Produkten sowie kleinen und mittleren Unternehmen soll nach Ansicht der Organisationen der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gesondert berücksichtigt werden. Digitale Produktpässe sollten ihrer Auffassung nach erst eingeführt werden, wenn eine geeignete rechtliche und technische Infrastruktur geschaffen worden ist.

Die Verbände betonen, dass sie sich nicht gegen einheitliche europäische Regelungen aussprechen. Sie streben vielmehr eine Überarbeitung der Anforderungen an, damit Unternehmen diese in der Praxis erfüllen können, ohne unverhältnismäßigen Verwaltungsaufwand und einen zusätzlichen Anstieg der Baukosten.

Bereits zuvor hatten auch europäische Branchenverbände eine Überarbeitung der neuen Bauproduktenverordnung (EU) 2024/3110 gefordert. Für die Ukraine hat dieses Thema zusätzliche Bedeutung, da die nationalen Rechtsvorschriften weiter an die neue EU-Verordnung angeglichen werden sollen.

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