Der polnische Verband „Polnische Fenster und Türen“ (POiD) hat dem polnischen Ministerium für Entwicklung und Technologie die Position der Fensterbranche zum Entwurf des Normungsauftrags für Fenster, Türen und verwandte Produkte übermittelt. Das Dokument betrifft die neue EU-Bauproduktenverordnung CPR (EU) 2024/3110. Dies teilte POiD mit.
POiD erarbeitete die Stellungnahme nach einer Analyse des Entwurfs und Konsultationen mit polnischen Fenster- und Türenherstellern. Nach Auffassung des Verbandes werden die vorgeschlagenen Anforderungen die Zahl der Prüfungen, den Umfang der Dokumentation und den Verwaltungsaufwand erhöhen. Dies wird die Kosten für die Hersteller steigern und könnte die Wettbewerbsfähigkeit der polnischen Branche schwächen.
„Polen ist in Europa führend bei der Herstellung und beim Export von Fenstern und Türen. Wir unterstützen die wichtigsten Ziele der CPR, darunter Digitalisierung, Transparenz und Nachhaltigkeit. Die neuen Vorschriften sollten jedoch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärken und keine Hürden schaffen, die sich in der Praxis nicht umsetzen lassen“, erklärte Janusz Komurkiewicz, Vorstandsvorsitzender von POiD.
Einer der Einwände von POiD betrifft den Umfang der Daten, die Hersteller deklarieren müssen. Der Entwurf sieht für Fenster 60 technische Merkmale, 39 Umweltkriterien und 175 Positionen zu gefährlichen Stoffen vor. Nach Einschätzung des Verbandes könnte die Leistungserklärung für ein Produkt, die derzeit bis zu 15 Merkmale auf ein bis zwei Seiten umfasst, auf mindestens neun Seiten je Produkttyp anwachsen.
POiD wendet sich auch gegen die Anforderung, für Außenfenster und -türen 174 einzelne gefährliche Stoffe zu deklarieren. Der Verband weist auf Überschneidungen mit den Anforderungen der REACH-Verordnung hin. Zudem stellt er fest, dass europäische Labore für viele dieser Stoffe über keine Messmethoden verfügen.
Ein weiteres Risiko betrifft die Arbeit der notifizierten Stellen. POiD ist der Auffassung, dass eine steigende Zahl von Prüfungen bei einer großen Anzahl von Produktvarianten diese Stellen überlasten könnte. Der Verband hält zudem die zwölfmonatige Übergangsfrist von der Veröffentlichung harmonisierter Normen bis zur vollständigen Umsetzung der Anforderungen für unrealistisch.
POiD weist außerdem auf die Fristen für die Ausarbeitung neuer harmonisierter Normen hin. Nach Angaben des Verbandes geht das Europäische Komitee für Normung (CEN) davon aus, dass ab der Annahme des Normungsauftrags mindestens 36 Monate erforderlich sind.
Der Verband weist zudem darauf hin, dass die regulatorischen und IT-technischen Grundlagen für den Digitalen Produktpass (DPP) noch nicht bereitstehen. Die technischen Normen für Datenarchitektur und Datensicherheit befinden sich noch in der Entwicklung. Nach Angaben von POiD wird der delegierte Rechtsakt der Europäischen Kommission zum DPP für 2027 erwartet.
In seiner Stellungnahme an das polnische Ministerium formulierte POiD sechs technische Vorschläge. Der erste sieht vor, die Zahl der verpflichtenden Merkmale auf jene Parameter zu reduzieren, die zur Erfüllung der Anforderungen des Baurechts und für die sichere Verwendung der Produkte erforderlich sind.
Der zweite Vorschlag betrifft Außenfenster und -türen. POiD schlägt vor, die Anforderung, für diese Produkte 174 gefährliche Stoffe sowie Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen (VOC) zu deklarieren, aus dem Entwurf zu streichen. Gleichzeitig schlägt der Verband vor, die unmittelbar durch REACH festgelegten Anforderungen beizubehalten.
Der dritte Vorschlag sieht die Beibehaltung vereinfachter Bewertungsmethoden vor. POiD spricht sich gemäß Artikel 5 der CPR für die gleichwertige Anwendung von Berechnungsmethoden und Tabellenwerten aus. Dadurch soll die Notwendigkeit entfallen, jede Produktkonfiguration im Labor zu prüfen.
Der vierte Vorschlag sieht vor, die Übergangsfrist ab der Bereitstellung der harmonisierten Normen auf mindestens 36 Monate zu verlängern. POiD schlägt außerdem vor, die Gültigkeit bereits durchgeführter Ersttypprüfungen (ITT) beizubehalten.
Der fünfte Vorschlag betrifft den Digitalen Produktpass. POiD fordert, das Inkrafttreten der DPP-Anforderungen aufzuschieben, bis die delegierten Rechtsakte verabschiedet und die Arbeiten von CEN sowie des Polnischen Komitees für Normung (PKN) abgeschlossen sind. Die Europäische Kommission soll zudem kostenlose Software und Berechnungstools bereitstellen.
Der sechste Vorschlag sieht eine Änderung des Ansatzes zur Definition des Produkttyps vor. POiD schlägt flexible Regeln für die Gruppierung von Produktvarianten vor. Dadurch soll verhindert werden, dass jede einzelne Fensterkonfiguration in Abhängigkeit von ihren Abmessungen registriert werden muss.
POiD wandte sich vor der Abstimmung im EU-Ausschuss für Normen an das polnische Ministerium für Entwicklung und Technologie. Der Verband fordert die polnische Seite auf, sich gegen den Entwurf des Normungsauftrags in seiner derzeitigen Fassung auszusprechen und auf dessen Überarbeitung hinzuwirken. POiD schlägt außerdem vor, dass Polen den Dialog mit anderen EU-Ländern aufnimmt, in denen Branchenorganisationen ähnliche Bedenken äußern.
Illustrationsfoto: Carlos Torres auf Unsplash
POiD warnt vor Wettbewerbsverlust durch neue Anforderungen der Bauproduktenverordnung (EU) 2024/3110
Kennzeichnung: 24434

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