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Europäische Verbände fordern Überarbeitung der neuen Bauproduktenverordnung (EU) 2024/3110
Illustration: VFF

Europäische Verbände fordern Überarbeitung der neuen Bauproduktenverordnung (EU) 2024/3110

Europäische Branchenverbände der Fenster-, Türen- und Glasindustrie haben eigene Stellungnahmen zur neuen Bauproduktenverordnung (EU) 2024/3110 veröffentlicht. Darüber berichten die diesjährigen Pressemitteilungen von EuroWindoor, AMFT, Tischler Schreiner Deutschland, VFF und Glass for Europe.

EuroWindoor hat eine ausführliche Stellungnahme zum Entwurf des Durchführungsrechtsakts für das Register der digitalen Produktpässe (DPP) eingereicht.

Der Generalsekretär von EuroWindoor, Frank Koos, unterstützt grundsätzlich das Konzept des digitalen Produktpasses. „Wir unterstützen den digitalen Produktpass als Instrument für Transparenz und zirkuläres Bauen“, erklärt Koos. Gleichzeitig kritisiert er den aktuellen Entwurf. „Der derzeitige Entwurf wurde ohne ausreichende Berücksichtigung der Realitäten einer Branche erarbeitet, die nahezu ausschließlich aus kleinen und mittleren Unternehmen besteht. Vor der Verabschiedung ist eine umfassende Überarbeitung erforderlich“, ergänzt Koos.

Der Verband kritisiert das Verifizierungsverfahren über das eIDAS-System, das die Hersteller nach seiner Einschätzung jährlich rund 300 bis 800 Euro kostet. EuroWindoor schlägt stattdessen einen Zugang über nationale Unternehmensregister vor. Zudem hält der Verband eine Registrierung auf Ebene jedes einzelnen Produkts für Sonderanfertigungen mit Millionen möglicher Varianten für praxisfern und empfiehlt stattdessen eine Registrierung auf Modell- oder Produkttypebene.

Tischler Schreiner Deutschland (TSD) kritisiert den Entwurf des Standardisierungsauftrags der Europäischen Kommission für Fenster und Türen. Nach Angaben des Verbandes unterlagen vor 25 Jahren lediglich Fenster mit Anforderungen an den Schall- oder Wärmeschutz der bauaufsichtlichen Kennzeichnung (Ü-Zeichen). Heute geht es um rund 60 technische sowie 39 Nachhaltigkeitsanforderungen. Darüber hinaus müssen Hersteller ihre Produkte auf das Vorhandensein von 175 verschiedenen Gefahrstoffen prüfen.

TSD-Präsident Thomas Radermacher erklärt: „Wir brauchen Ansätze, die den Bedürfnissen des Handwerks gerecht werden.“ Die Hauptgeschäftsführerin von TSD, Katharina Hamilscheg, ergänzt: „Man sollte das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Wir brauchen Zeit und neue Ansätze. Bei kundenspezifischer Fertigung, häufig in Losgröße eins, wie sie in Deutschland täglich praktiziert wird, kann ein solcher Datenfluss nicht effizient sein.“

Radermacher kritisiert außerdem den Vorschlag, zur Vereinfachung der Leistungserklärungen jeweils die schlechtesten Leistungswerte anzugeben. „Das ist keine echte Lösung. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Wettbewerb und Qualität zählen. Gerade im Hinblick auf Energieeffizienz und das Potenzial der Gebäudesanierung müssen wir wirtschaftlich argumentieren. Andernfalls wird die Bundesregierung ihre Energieziele nicht erreichen.“

Der Verband Fenster + Fassade (VFF) hat den Entwurf des Standardisierungsauftrags für Fenster und Türen kritisiert. Nach Einschätzung des VFF ist der Entwurf in seiner derzeitigen Form nicht zustimmungsfähig. Fenster und Türen sind in der Regel individuell konfigurierte Produkte mit einer sehr großen Zahl an Varianten. Zusätzliche Anforderungen für jede einzelne Variante würden insbesondere kleine und mittlere Unternehmen erheblich bürokratisch und finanziell belasten.

Der VFF hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gebeten, den Entwurf im Standardisierungsausschuss nicht zu unterstützen. Darüber hinaus hat der Verband Kontakte in der EVP-Fraktion des Europäischen Parlaments eingebunden und nach eigenen Angaben eine positive Rückmeldung auf seine Initiative erhalten.

Bereits zuvor hatte das ift Rosenheim vor den Risiken der neuen Verordnung gewarnt und sie als potenzielles „Bürokratiemonster“ für Fenster- und Türenhersteller bezeichnet. Institutsleiter Professor Winfried Heusler erklärte, dass nach der derzeitigen Auslegung der CPR für jedes einzelne Produkt eine eigene Leistungserklärung erforderlich wäre. Bei rund 70 Millionen jährlich in Europa produzierten Fenstern würde dies für jede der 50 notifizierten Stellen etwa 6.000 Prüfungen pro Tag bedeuten.

Die Österreichische Arbeitsgemeinschaft Metall-Fenster/Türen/Tore/Fassaden (AMFT) unterstützt das Positionspapier des Verbandes Fenster + Fassade (VFF) und des ift Rosenheim uneingeschränkt. Die AMFT hat mehrere österreichische Organisationen hinter einer gemeinsamen Stellungnahme zur praktischen Umsetzung der neuen CPR zusammengeführt.

Der Verband betont die Bedeutung des zusätzlichen Konformitätsbewertungssystems AVS 4+. Dieses System sieht vor, dass Softwarewerkzeuge und Eingangsparameter von einer notifizierten Stelle geprüft werden, anstatt jedes einzelne Produkt zu überprüfen. Die AMFT warnt, dass die Anforderungen an Kennzeichnung und Dokumentation, einschließlich DoPC und DPP, ohne einen praxisgerechten Ansatz Hersteller und Zertifizierungsstellen erheblich belasten werden.

Glass for Europe begrüßt die Überarbeitung der CPR 2024, äußert jedoch Bedenken hinsichtlich des AVS-3+-Verfahrens zur Überprüfung von Umweltdeklarationen.

Nach Angaben von Glass for Europe gibt es im EU-Flachglassektor mehr als 40 Produktionsstandorte, die über 1.000 Weiterverarbeiter beliefern. Ein einzelner Hersteller kann Zehntausende Produkttypen anbieten. Verpflichtende Vor-Ort-Inspektionen jedes Produktionsstandorts für jeden neuen Produkttyp würden zu einer hohen Zahl von Prüfungen, erheblichen Kosten und Verzögerungen führen.

Der Verband schlägt vor, Ferninspektionen als Standardverfahren einzuführen. Zudem empfiehlt Glass for Europe, die Ergebnisse früherer Inspektionen für vergleichbare Daten und Produktionsprozesse nutzen zu können.
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